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Manuskript: Heinz Werner Weßler
Redaktion: www.hindu.dk

Die Offenbarung und ihre Sprache: Zur Bedeutung des Sanskrit im Hinduismus

Als vor über dreitausend Jahren die arischen Einwanderer von Nordwesten aus in Indien eindrangen, brachten sie ihre Sprache - das vedische Sanskrit - und ihre Religion mit. Beide sind in dem einzigartigen Sammelwerk der Dichtungen des Rigveda verewigt, der von orthodoxen Brahmanen bis auf den heutigen Tag laut- und akzentgetreu überliefert und auswendig gelernt wird. Es gibt nur wenig, über das sich die verschiedenen Richtungen im Hinduismus so sehr einig sind wie über die Hochachtung dieses Textes. Daraus leitet sich eine zentrale Bekenntnisaussage eines jeden gläubigen Hindus ab: Die zeitlose Offenbarung (Shruti, wörtlich: "das Gehörte"), zu der auch noch die übrigen drei Vedas und ihre Anhänge (Brahmanas, Aranyakas und Upanishads) gehören, wurden nicht von Dichtern komponiert, sondern von inspirierten Weisen vor unvordenklich langer Zeit "erschaut". Nachdem die Shruti am Ende des gegenwärtigen schlechten Weltzeitalters verloren geht, wird sie zu Beginn des kommenden goldenen Zeitalters von neuem "erschaut" - das heißt, der Veda als solcher besteht ewig. Er ist der zentrale Offenbarungstext des Hinduismus.

 

Nicht nur die Ideen, die religiösen Vorstellungen oder die poetischen Bilder des Rigveda sind somit überweltlich, sondern auch die sprachliche Formulierung selbst. Der bedeutende antike Sprachphilosoph Bhartrhari bringt den gemein-hinduistischen Glauben auf den Punkt, wenn er schreibt, dass der Veda die Essenz und das grundlegende Prinzip der Welt ist. Jeder Vers und jede Silbe sind festgelegt. Die Kunst der Rezitation ist deswegen hoch entwickelt in Indien. Viele der Hymnen des Rigveda wurden beim Opfer für die Götter rezitiert. Das ist auch heute noch der Fall und wird sogar von hinduistischen Reformbewegungen aktiv unterstützt, auch wenn viele der heutigen populären Götter im Rigveda gar nicht vorkommen. Das Sanskrit des Rigveda ist allerdings ohnehin schwer verständlich, selbst für jemand, der das klassische Sanskrit beherrscht. Schon wenige hundert Jahre nach der arischen Einwanderung in Südasien hat man die Gedichte des Rigveda nicht mehr richtig verstanden, auch wenn sich die Brahmanen intensiv mit Grammatik und Wortkunde beschäftigt haben, um den heiligen Veda auszulegen.

Irgendwann in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende legte die berühmte Grammatik des Panini den klassischen Standard des Sanskrit fest, der aber schon damals vom vedischen Sanskrit und natürlich auch von den gesprochenen Alltagssprachen verschieden war. Es entwickelte sich eine phantasievolle theologische Auslegungskunst, während die heiligen Texte minutiös überliefert wurden. Aus den Deutungen von Opferversen ging die ganze indische Philosophie und Theologie hervor.

Das Sanskrit ist mit dem Lateinischen, Griechischen und vielen anderen Sprachen Europas und Vorderasiens und des Iran eng verwandt, die gemeinsam die Familie der Indo-europäischen Sprachen bilden. Manchmal erkennt man die Verwandtschaft auf den ersten Blick: „Pitr" heißt im Deutschen „Vater" - Beide sind mit dem lateinischen „pater" verwandt. Gleiches gilt für Sanskrit „matr" „Mutter", lateinisch „mater". „Yoga" hängt mit Lateinisch „iugum" zusammen, deutsch „Joch". Neben der Wortkunde gibt es auch viele Gemeinsamkeiten in der Grammatik.

Nicht nur die meisten klassischen religiösen Texte sind in Sanskrit abgefaßt, sondern praktisch alle Texte der klassischen Gelehrsamkeit - Wissenschaften, Dichtung und schöne Prosa, Philosophie. Das klassiche Sanskrit war die Sprache der indischen Hochkultur, und noch heute wird Sanskrit in der Schule gelehrt. Es gibt auch Zeitschriften und sogar Radionachrichten für die Gemeinde der Sanskrit-Liebhaber.

 


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